Alexander Neitzel · geprüft 07.10.2026 · aktualisiert 07.10.2026 · 7 Min. Lesezeit
In Kürze
Bei einem Pump and Dump werben Betrüger nach Angaben der US-Aufsicht CFTC in sozialen Medien für wenig bekannte Token und stoßen die Token ab, sobald der Kurs ein nur ihnen bekanntes Ziel erreicht.
Bei einem Rug Pull ziehen sich die Verantwortlichen planmäßig aus einem Projekt zurück und verschwinden mit dem eingesammelten Geld; zurück bleiben Token ohne Wert.
Beim Phishing geben sich Betrüger als bekannte Anbieter aus, um an Passwörter, private Schlüssel oder die Wiederherstellungsphrase einer Wallet zu kommen.
Typische Warnzeichen sind nach den europäischen Aufsichtsbehörden Versprechen hoher und schneller Gewinne, Zeitdruck, unaufgeforderte Kontakte und jede Bitte um private Schlüssel oder Seed-Phrasen.
Nach Angaben der US-Aufsicht CFTC nutzen Betrüger bei einem Pump and Dump soziale Medien, Messenger-Dienste und Foren, um für wenig bekannte Token oder Projekte zu werben, die sie kontrollieren oder leicht beeinflussen können. Sie treiben den Kurs zunächst nach oben und stoßen die Token ab, sobald er ein nur ihnen bekanntes Ziel erreicht; danach fällt der Kurs, und viele Anleger bleiben mit nichts zurück. Solche Maschen können nach der CFTC bei wenig gehandelten oder neuen Coins auftreten. Die BaFin beschreibt, dass manche Finfluencer sich möglicherweise günstig Coins sichern, dann künstlich in sozialen Medien für sie werben und ihre Bestände abstoßen, sobald der Kurs steigt; manchmal arbeiten sie dabei mit den Emittenten oder dem Entwicklerteam zusammen. Nach Einschätzung der BaFin lässt sich der Kurs eines Coins umso leichter manipulieren, je geringer seine Marktkapitalisierung ist, also der Gesamtwert aller handelbaren Einheiten.
Manche Gruppen streuen zusätzlich falsche Nachrichten, etwa über einen bekannten Unternehmer, der angeblich viel Geld in einen kleinen Coin stecken will. Ein weiteres Mittel sind Scheingeschäfte: Bei einem Wash Trade handelt dieselbe Person auf beiden Seiten eines Geschäfts, sodass es für Außenstehende so aussieht, als würden größere Mengen übertragen.
Hat der Pump begonnen, kann er nach Angaben der CFTC in wenigen Minuten vorbei sein; wer die Fäden zieht, steigt zuerst aus, und die übrigen Teilnehmer versuchen, ihre Bestände noch loszuwerden, bevor das Geld verloren ist. Die CFTC weist außerdem darauf hin, dass Marktmanipulation verboten ist und viele Teilnehmer solcher Aktionen am Ende Geld verlieren.
02Was ist ein Rug Pull?
Bei einem Rug Pull ziehen sich nach der Beschreibung der BaFin die Verantwortlichen, etwa Emittenten, Finfluencer oder andere Eingeweihte, planmäßig aus einem Projekt zurück; wer die Coins noch hält, erleidet Verluste bis zum Totalverlust. Die europäischen Aufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA beschreiben in einem gemeinsamen Merkblatt, dass Betrüger bei einem Rug Pull das Projekt einstellen und mit dem eingesammelten Geld verschwinden.
Das Merkblatt schildert dazu folgenden Ablauf: Er beginnt mit einer Anzeige in sozialen Medien oder auf einer Website, die für einen neuen Token oder ein neues Projekt als zeitlich begrenzte Gelegenheit wirbt; Interessenten werden danach auf eine Handelsplattform oder in einen Messenger-Kanal weitergeleitet. Dort sollen sie zuerst einen kleinen Betrag einzahlen und werden dann gedrängt, mehr nachzulegen. Am Ende ist der Token wertlos, der Kontakt antwortet nicht mehr, und die Website existiert nicht mehr.
03Wie funktioniert Phishing bei Kryptowerten?
Beim Phishing versuchen Betrüger nach Angaben der BaFin, die Zugangsdaten zu einer Wallet zu stehlen, um das Guthaben darin zu entwenden. Sie schreiben dazu E-Mails oder SMS, sprechen Menschen in sozialen Medien an oder rufen an und geben sich zum Beispiel als Mitarbeitende einer Online-Handelsplattform aus. Eine solche Nachricht fordert zum Beispiel dazu auf, sich anzumelden oder eine neue App zu laden; wer dem Link folgt, installiert nach dem Merkblatt der Aufsichtsbehörden unter Umständen Schadsoftware, die den Zugriff auf Kryptowerte ermöglicht.
Eine verwandte Masche zielt auf Menschen, die öffentlich um Hilfe bei einem Wallet-Problem gebeten haben: Sie erhalten eine unerwartete Nachricht von jemandem, der sich als Plattform, Wallet-Anbieter oder Support ausgibt und nach der Seed-Phrase fragt. Wer Passwörter, private Schlüssel oder die Seed-Phrase kennt, kann über die Kryptowerte verfügen; seriöse Unternehmen fragen nach Angaben der Aufsichtsbehörden nie per E-Mail, SMS oder Telefon nach Passwörtern oder Sicherheitscodes. Auch eine verschlüsselte Verbindung mit „https“ ist nach Angaben des BSI keine Entwarnung mehr, weil auch Phishing-Seiten sie verwenden.
Eine weitere Masche arbeitet mit ähnlich aussehenden Empfängeradressen. Betrüger schicken dafür nach dem Merkblatt der Aufsichtsbehörden einen Kleinstbetrag von einer Adresse, die einer bekannten ähnelt, damit sie im Verlauf der Wallet erscheint. Wer später eine Adresse aus diesem Verlauf kopiert, überweist das Geld womöglich an die Betrüger.
04Woran erkennt man Betrug, bevor Geld fließt?
Das Merkblatt der europäischen Aufsichtsbehörden nennt als Warnzeichen unter anderem ein Versprechen, das zu gut klingt, um wahr zu sein, ein unaufgefordertes Angebot, garantierte schnelle und hohe Gewinne und Druck, sofort zu handeln. Ebenso verdächtig sind die Bitte um Zahlung über schwer nachverfolgbare Wege, die Aufforderung, einen Link oder QR-Code zu öffnen oder eine App zu laden, und jede Bitte um private Schlüssel oder die Seed-Phrase. Auch eine Website, die das Aussehen eines echten Unternehmens kopiert oder professionell wirkt, aber keine überprüfbaren Kontaktdaten nennt, sowie eine unbekannte Handelsplattform gelten dort als Warnzeichen.
Die CFTC und die BaFin werten es beide als Warnzeichen, wenn Interessenten von einer großen Plattform in private Messenger-Gruppen wechseln sollen. Die BaFin rät zudem, niemandem Fernzugriff auf den eigenen Computer zu geben. Fehlt bei einem Angebot im Internet das Impressum oder ist es unvollständig, rät die BaFin davon ab, dort Geld anzulegen.
05Was hilft, wenn ein Angebot verdächtig wirkt?
Ob ein Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen in der EU zugelassen ist, lässt sich nach dem Merkblatt im Register der ESMA prüfen; die nationale Aufsicht veröffentlicht außerdem Warnungen. Die BaFin weist darauf hin, dass ihre Warnungen nie vollständig sein können, weil es viele unseriöse Anbieter gibt und sich deren Vorgehen ständig ändert.
Wer betroffen ist, sollte nach dem Merkblatt den Kontakt zu den Betrügern sofort abbrechen und alle Passwörter ändern, nicht nur eines. Der Vorfall gehört zur Polizei oder zur nationalen Finanzaufsicht.
06Was sagt eine breite Diskussion über die Echtheit eines Coins?
Viele Stimmen bedeuten nicht viele Menschen. Nach Angaben der CFTC haben manche Pump-and-Dump-Gruppen Tausende Mitglieder, doch es lässt sich kaum erkennen, wer eine echte Person ist und welche Accounts die Betrüger selbst angelegt haben. Die BaFin warnt außerdem, dass manche Finfluencer nicht offenlegen, dass sie für ihre Beiträge bezahlt werden oder die beworbenen Coins selbst besitzen.
Die Creator-Breite im Orbit zählt Accounts, die über einen Coin oder ein Narrativ posten. Ob hinter einem Account eine echte Person steht oder ob jemand für seine Beiträge bezahlt wird, zeigt diese Zahl nicht; eine breite Diskussion ist deshalb kein Nachweis, dass ein Projekt seriös ist.
Welche Narrative gerade breit besprochen werden, zeigt der Orbit.
07Fragen
Lässt sich Geld nach einem Krypto-Betrug zurückholen?
In der Regel nicht. Nach dem Merkblatt der europäischen Aufsichtsbehörden lassen sich Übertragungen von Kryptowerten anders als Banküberweisungen kaum rückgängig machen. Ein Anbieter kann aber das Konto der Betrüger sperren, wenn es auf seiner Plattform liegt; deshalb lohnt es sich, ihn über die offiziellen Kontaktwege sofort zu informieren.
Was ist ein Recovery-Room-Betrug?
Dabei melden sich Betrüger bei Opfern eines früheren Betrugs, geben sich als Polizei, Steuer- oder Finanzbehörde aus und bieten gegen eine Gebühr an, das verlorene Geld zurückzuholen. Die europäischen Aufsichtsbehörden warnen, dass das oft ein weiterer Betrugsversuch ist.
Wie läuft Liebesbetrug mit Kryptowerten ab?
Eine unbekannte Person baut über soziale Medien, Dating-Apps oder Nachrichten eine persönliche Beziehung auf und lenkt das Gespräch dann auf angeblich hohe Gewinne mit Kryptowerten. Nach Angaben der europäischen Aufsichtsbehörden holen die Betrüger so viel Geld wie möglich heraus, brechen dann den Kontakt ab und nehmen die angebliche Anlageplattform vom Netz.