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Altcoin-Season erklärt: was der Begriff meint und wie man sie misst

MarktMkThema: MarktkennzahlenNiveau: Aufbau

Alexander Neitzel · geprüft 07.10.2026 · aktualisiert 07.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

In Kürze

Altcoins sind nach der Definition der US-Aufsichtsorganisation FINRA alle Kryptowerte außer Bitcoin.

  • Ob Altcoins gegenüber Bitcoin an Gewicht gewinnen, lässt sich an zwei Größen ablesen, mit denen auch EZB und ESMA arbeiten: am Anteil von Bitcoin am Gesamtwert aller Kryptowerte und am Vergleich der Wertentwicklung über einen Zeitraum.
  • Beide Größen beschreiben Verschiebungen im Rückblick, und die Werte von Kryptowerten schwanken nach Feststellung der ESMA stark, in Phasen von Aufschwung und Einbruch.
NiveauAufbauStufe 2 von 3
Begriffe1im Glossar
Begriffe: Creator-Breite

01Was ist ein Altcoin?

Als Altcoin bezeichnet die US-Aufsichtsorganisation FINRA jeden Kryptowert außer Bitcoin. Nach ihren Angaben gibt es heute Tausende davon, viele mit geringem oder gar keinem Wert am Markt. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA zählte im vierten Quartal 2023 rund 3.700 aktiv gehandelte Kryptowerte. Ein Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2025 zeigt in einer Grafik eine Sammelgruppe „Other“, die nach Daten von Marktdatendiensten mehr als 10.000 Kryptowerte auf mehr als 300 Handelsplattformen umfasst. Wie viele Kryptowerte es gibt, hängt also davon ab, wer zählt und was als erfasst oder aktiv gehandelt gilt. Ein Arbeitspapier, das die EZB veröffentlicht hat, hält schon die Silbe „Coin“ in Wörtern wie Bitcoin oder Altcoin für irreführend: Sie lege eine Münze nahe, die von Hand zu Hand geht, obwohl die Einheiten in einem Kontensystem erfasst und übertragen werden.

In einer Auswertung von 2022 führte die EZB unter den ausgewählten großen Altcoins zum Beispiel Cardano (ADA), Dogecoin (DOGE), Chainlink (LINK), Litecoin (LTC), XRP und Solana (SOL).

02Was bedeutet Altcoin-Season?

Im Marktsprachgebrauch bezeichnet der Begriff Altcoin-Season nach dem Prospekt eines US-Fonds Phasen, in denen eine große Zahl von Altcoins Bitcoin bei den Kursgewinnen übertrifft, meist nach starken Kursanstiegen von Bitcoin. Eine solche Phase wird dort nicht förmlich ausgerufen; man beobachtet sie, indem man die Kursentwicklung von Bitcoin über die Zeit mit der anderer Kryptowerte vergleicht.

03Woran lässt sich ablesen, ob Altcoins gegenüber Bitcoin an Gewicht gewinnen?

Die eine Größe ist der Anteil von Bitcoin am Gesamtwert aller Kryptowerte, also an ihrer gesamten Marktkapitalisierung. Auch die BaFin nennt diesen Anteil, wenn sie den Kryptomarkt beschreibt. In einer Grafik von 2019 weist die EZB neben Bitcoin acht weitere Kryptowerte einzeln aus und fasst alle übrigen aktiv gehandelten Kryptowerte als „Other“ zusammen. Sinkt der Anteil von Bitcoin über einen Zeitraum, haben die übrigen Kryptowerte zusammen an Gewicht gewonnen.

Die andere Größe ist der Vergleich der Wertentwicklung. Dafür setzt man die Veränderung von Bitcoin seit einem gewählten Stichtag neben die Veränderung anderer Kryptowerte, so wie es die EZB in einer Grafik für ausgewählte Kryptowerte getan hat. Die ESMA vergleicht in ihrem Risikobericht ebenfalls Bitcoin mit Ether und großen Altcoins wie XRP und Solana (SOL).

Beide Wege brauchen eine Entscheidung, die das Ergebnis prägt: welcher Zeitraum betrachtet wird und welche Kryptowerte in den Vergleich eingehen. Eine feste Grenze, ab der eine Verschiebung als bedeutend gilt, ergibt sich aus keiner der beiden Größen.

04Wie sah eine solche Verschiebung bisher aus?

Die EZB beschrieb 2019, dass Bitcoin in den zwei Jahren davor gegenüber anderen Kryptowerten an Boden verloren hatte und sein Marktanteil sich im Lauf des Jahres 2018 wieder erholte. In derselben Veröffentlichung zeigte sie, dass sich Bitcoin bis zum Höhepunkt des Kryptomarkts Anfang 2018 schwächer entwickelt hatte als andere ausgewählte Kryptowerte.

Für das Halbjahr von Januar bis Juni 2026 stellte die ESMA eine Bewegung in die andere Richtung fest: Bitcoin verlor weniger an Wert als Ether und große Altcoins wie XRP und Solana. Die ESMA führte das darauf zurück, dass Anleger Bitcoin als besonders liquiden und institutionell anerkannten Kryptowert bevorzugten. Das Verhältnis kann sich also in beide Richtungen verschieben, auch dann, wenn der gesamte Markt an Wert verliert.

05Was muss man beim Messen beachten?

Auch Stablecoins (Token mit stabilisiertem Wert) zählen zum Gesamtwert: Ende 2023 entfiel nach Angaben der ESMA ein großer Teil des Gesamtwerts aller Kryptowerte auf drei Kryptowerte, nämlich Bitcoin, Ether und den Stablecoin Tether. Wer den Anteil von Bitcoin liest, sollte deshalb wissen, ob Stablecoins in der Rechnung enthalten sind.

Der Gesamtwert ist selbst das Ergebnis einer Rechnung: Die EZB ermittelt ihn aus der umlaufenden Menge eines Kryptowerts mal seinem Marktpreis. Nach einer Anmerkung der EZB enthält die umlaufende Menge von Bitcoin auch Einheiten, die als verloren gelten; als Näherung dafür nimmt sie Bitcoin, die seit mehr als sieben Jahren nicht bewegt wurden.

Außerdem verteilt sich der Gesamtwert trotz der vielen Kryptowerte nach Feststellung der ESMA auf wenige große. Ein sinkender Anteil von Bitcoin kann daher vor allem auf wenige andere Kryptowerte zurückgehen und muss nicht bedeuten, dass viele Altcoins zugelegt haben. Auch die Sammelgruppe „Other“ in der Grafik der EZB ist eine Summe über viele Kryptowerte; über einen einzelnen Altcoin sagt sie nichts.

06Was sagen solche Messungen nicht?

Die Werte von Kryptowerten schwanken nach Feststellung der ESMA stark, in Phasen von Aufschwung und Einbruch, und bewegen sich insgesamt mit den Aktienmärkten. Nach Einschätzung der BaFin sind Kryptowerte ohne eigenen, inneren Wert die vorherrschenden Angebote am Kryptomarkt. Die hohe Schwankung macht Kryptowerte für Verbraucherinnen und Verbraucher nach Darstellung der BaFin zu einer hochspekulativen Geldanlage.

Ein Anteil oder ein Vergleich beschreibt, was am Markt bereits geschehen ist. Er beantwortet weder, ob sich eine Verschiebung fortsetzt, noch, wie sich ein bestimmter Coin entwickeln wird.

07Welche Rolle spielen Gesprächsdaten?

Die beiden Größen oben messen Werte am Markt. Wie breit über Kryptowerte gesprochen wird, ist eine andere Frage: Die Creator-Breite ist die Zahl der verschiedenen Creator, die in einer Stunde über einen Coin oder ein Narrativ posten. Im Orbit stehen die Narrative nach ihrer Creator-Breite, und je Narrativ sind auch die Coins nach dieser Größe geordnet.

Welche Narrative gerade breit besprochen werden, zeigt der Orbit.

08Fragen

Zählt Ether zu den Altcoins?

Nach der Definition der FINRA ja, denn sie umfasst jeden Kryptowert außer Bitcoin. Die ESMA nennt Ether in ihrem Risikobericht vom September 2026 dagegen getrennt von den großen Altcoins.

Sind Stablecoins Altcoins?

Die Definition der FINRA schließt sie nicht aus, weil sie jeden Kryptowert außer Bitcoin erfasst. In einer Auswertung von 2022 führte die EZB ausgewählte Altcoins und ausgewählte Stablecoins aber als getrennte Gruppen.

Darf ein Whitepaper (Informationsdokument zum Projekt) den künftigen Wert eines Altcoins versprechen?

Nein. Ein Whitepaper nach der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) darf keine Aussagen über den künftigen Wert des Kryptowerts enthalten. Pflicht ist dagegen der Hinweis, dass der Kryptowert seinen Wert ganz oder teilweise verlieren kann.

09Begriffe

Creator-Breite
Die Creator-Breite ist die Zahl der verschiedenen Creator, die in einer Stunde über einen Coin oder ein Narrativ posten.

10Quellen

  1. FINRA: Crypto Assets – Key Terms
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  2. ESMA: TRV Risk Analysis „Crypto-assets: Market structures and EU relevance“ (10.04.2024)
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  3. EZB: Financial Stability Review Mai 2022, „Decrypting financial stability risks in crypto-asset markets“
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  4. EZB: Occasional Paper No 223 „Crypto-Assets: Implications for financial stability, monetary policy, and payments and market infrastructures“ (Mai 2019)
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  5. EZB: Financial Stability Review Mai 2025, „Just another crypto boom? Mind the blind spots“
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  6. ESMA: TRV Risk Monitor No. 2, 2026 (10.09.2026)
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  7. BaFin: Risiken im Fokus 2026, „Investitionen in Kryptowerte und der Einfluss sozialer Medien auf das Anlageverhalten“
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  8. Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA), Artikel 6
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026
  9. Narrative Alpha Research · Methodik
    abgerufen 06.10.2026
  10. Tidal Trust II: Prospectus (Form 485APOS, 18.09.2025) zum Quantify 2X Daily Alt Season Crypto ETF
    offizielle Quelle · abgerufen 07.10.2026
  11. EZB: Working Paper No 3022 „Digital money and finance: a critical review of terminology“
    Primärquelle · abgerufen 06.10.2026

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