Alexander Neitzel · geprüft 07.10.2026 · aktualisiert 07.10.2026 · 6 Min. Lesezeit
In Kürze
Memecoins sind Coins, die oft aus einem Meme in den sozialen Medien entstehen und keine oder kaum technische Funktionen haben.
Nach Einschätzung einer Fachabteilung der US-Börsenaufsicht SEC werden sie vor allem zur Unterhaltung, für den sozialen Austausch und aus kulturellen Gründen erworben.
Soziale Medien sind für Memecoins Ursprung, Treffpunkt der Gemeinschaft und Werbefläche zugleich, auf der oft Finfluencer auftreten.
Die BaFin warnt, dass Geschäfte mit Memecoins keine Geldanlage, sondern reine Spekulation sind und bis zum Totalverlust führen können.
Memecoins sind nach Darstellung der BaFin virtuelle Coins, die oft aus einem lustigen oder sarkastischen Bild, Video oder Text in den sozialen Medien entstehen, einem sogenannten Meme. Diese Coins haben nach Angaben der Behörde keine oder kaum technische Funktionen und lassen sich einfach und mit sehr wenig Kapital erzeugen und in Umlauf bringen. Häufig sind sie nach Darstellung der BaFin Spaßartikel; ein eigener Memecoin kann aber auch ein Statussymbol sein oder schlicht ein Versuch, Geld zu verdienen.
Eine Fachabteilung der US-Börsenaufsicht SEC beschreibt Memecoins ähnlich: als Kryptowerte, die von Internet-Memes, Figuren, aktuellen Ereignissen oder Trends inspiriert sind und deren Initiatoren eine begeisterte Online-Gemeinschaft gewinnen wollen. Nach ihrer Einschätzung ähneln Memecoins damit eher Sammlerstücken und haben in der Regel wenig oder keinen praktischen Nutzen.
Als eigenes Krypto-Narrativ führt Narrative Alpha Research die Memecoins; dort stehen die Definition, die Unterarten und alle Coins des Narrativs.
02Woher kommen Memecoins?
Dogecoin (DOGE) war nach Angaben des Projekts zunächst als Scherz gedacht. Sein Symbol ist der Shiba Inu, eine japanische Hunderasse, die als Online-Meme bekannt wurde. Nach Darstellung des Projekts wurde Dogecoin schon bald zum Trinkgeld, mit dem die Gemeinschaft über die Jahre viele Aktionen unterstützte. Die Dogecoin-Gemeinschaft beschreibt sich selbst als Gruppe, der gegenseitige Unterstützung, Spendensammeln, Spaß und das Erstellen eigener Meme-Bilder wichtig sind. Zugleich will die Gemeinschaft Dogecoin nach eigener Darstellung als ernsthafte Alternative zu staatlichem Geld voranbringen, und mit der Zeit wurde es möglich, Dogecoin in Online-Shops auszugeben.
Andere Memecoins entstanden in einem bestimmten Umfeld: Bonk (BONK) startete nach Angaben des Projekts an einem Weihnachtstag, gegründet von einer kleinen Gruppe von Solana-Entwicklern, und mehr als die Hälfte der Coins ging an Entwickler und Kreative in diesem Ökosystem. Heute ist BONK nach Angaben des Projekts in Bereichen wie DeFi (dezentrale Finanzanwendungen), Sport, digitaler Kunst und Wohltätigkeit verbreitet. Pepe (PEPE) beschreibt sich auf seiner Website als Memecoin ohne inneren Wert und ohne Ertragserwartung, ohne festes Team und ohne Fahrplan, gedacht nur zur Unterhaltung. Mit dem Schöpfer der Figur Pepe the Frog hat der Coin nach eigener Angabe nichts zu tun; er versteht sich als Hommage an ein bekanntes Meme.
03Warum trägt Social Media die Memecoins?
Nach Einschätzung der SEC-Fachabteilung werden Memecoins vor allem zur Unterhaltung, für den sozialen Austausch und aus kulturellen Gründen erworben. Die BaFin bezeichnet den Handel mit Memecoins als oft von sozialen Medien getrieben.
Für manche Projekte ist die Gemeinschaft der Kern ihres Selbstverständnisses: Bonk etwa nennt als Grundsatz, dass sich die Gemeinschaft um das Projekt kümmert, wenn das Projekt sich um die Gemeinschaft kümmert, und Dogecoin stellt seine Gemeinschaft ausdrücklich in den Vordergrund.
Soziale Medien sind zugleich die Werbefläche: Beworben werden Memecoins nach Angaben der BaFin oft von Finfluencern, also Influencern mit Finanzthemen. Was diese posten, ist nach Einschätzung der Behörde nicht immer verlässlich, weil sich nicht alle Finfluencer ausreichend mit Finanzthemen auskennen. Gleichzeitig stammt der Großteil der öffentlich verfügbaren Informationen zu Memecoins nach Angaben der BaFin von Finfluencern.
04Wie misst Narrative Alpha Research das Gespräch über Memecoins?
Wie breit über Memecoins gesprochen wird, zeigt die Creator-Breite, die Zahl der verschiedenen Creator, die in einer Stunde über einen Coin oder ein Narrativ posten. Gezählt werden also Stimmen und nicht Beiträge, denn viele Beiträge können auch von wenigen Accounts stammen, die ununterbrochen posten.
Ob gerade mehr oder weniger gesprochen wird als sonst, zeigt der Vergleich mit dem üblichen Rahmen: bei einzelnen Coins mit dem Normalband, beim ganzen Narrativ mit dem Schnitt. Die Narrativ-Seite verlinkt jeden Coin des Narrativs und ordnet die Coins nach Creator-Breite. Auf dieser Website stehen solche Social-Daten mit 14 Tagen Abstand, als Tageswerte. Narrative Alpha Research zeigt Breite, keine einzelnen Creator.
Ob ein Beitrag bezahlt ist, lässt sich aus den Zahlen allein nicht sicher ablesen.
05Welche Risiken nennen Aufsichtsbehörden bei Memecoins?
Die BaFin bezeichnet Memecoins als hochspekulativ und warnt: Wer „Geheimtipps“ in den sozialen Medien befolgt, riskiert einen Totalverlust. Geschäfte mit Memecoins sind nach Einschätzung der Behörde keine Geldanlage, sondern reine Spekulation. Die SEC-Fachabteilung weist darauf hin, dass Memecoins wegen ihres spekulativen Charakters oft stark schwanken. Auch die europäischen Finanzaufsichtsbehörden mahnen zur Vorsicht bei Werbung für Kryptowerte, vor allem in sozialen Medien, wo Influencer einen Anreiz haben können, bestimmte Kryptowerte zu bewerben. Wer Geld in Kryptowerte steckt, kann nach ihrer Warnung viel oder sogar alles davon verlieren.
Manche Finfluencer legen nach Angaben der BaFin nicht offen, dass sie für ihre Inhalte bezahlt werden oder die empfohlenen Coins selbst besitzen. Die Behörde warnt außerdem vor Scheingeschäften, bei denen dieselbe Person auf beiden Seiten eines Handels steht, sodass es für Außenstehende so aussieht, als würden größere Mengen übertragen.
Als Warnzeichen nennt die BaFin unter anderem unrealistische Gewinnversprechen, anonyme Emittenten oder Anbieter, Websites ohne Impressum und aggressive Werbung in Chat-Gruppen und sozialen Netzwerken. Sie rät, sich nie unter Zeitdruck setzen zu lassen, und besonders wachsam zu sein, wenn ein Memecoin tatsächlich nur kurze Zeit verfügbar ist.
Am 10.10.2026 sprachen im Schnitt 4.408 Creator je Stunde über das Krypto-Narrativ Memecoins. Gemessen hat das Narrative Alpha Research.
06Fragen
Brauchen Memecoins in der EU ein Whitepaper (Informationsdokument zum Projekt)?
Nach Angaben der BaFin müssen für Memecoins, die in der EU öffentlich angeboten oder zum Handel zugelassen werden sollen, grundsätzlich Kryptowerte-Whitepaper mit umfangreichen Mindestangaben erstellt und veröffentlicht werden. Diese Angaben reichen nach Einschätzung der Behörde aber nicht aus, um die mögliche Entwicklung eines Memecoins einzuschätzen.
Sind Memecoins in den USA Wertpapiere?
Nach Auffassung der Fachabteilung für Unternehmensfinanzierung der SEC sind Geschäfte mit den von ihr beschriebenen Memecoins keine Wertpapiergeschäfte; Erwerber und Halter sind deshalb nicht durch das US-Wertpapierrecht geschützt. Die Stellungnahme vom 27. Februar 2025 ist nach eigener Angabe keine Regel der Behörde und hat keine Rechtskraft.
Was bedeutet FOMO?
FOMO steht für „Fear of missing out“, die Angst, etwas zu verpassen. Die BaFin warnt, dass unseriöse Finfluencer diese Angst nutzen, damit Interessierte übereilt handeln, statt die Risiken gründlich zu prüfen.
Ein Creator ist ein Account, der im Messzeitraum über einen Coin oder ein Narrativ gepostet hat — auf X, YouTube, TikTok, Reddit oder einer anderen erfassten Plattform.